Zur Geschichte des Heims

Die Obere Spitalstiftung Dingolfing ist Ihnen als Träger des Altenheims in unserer Stadt ein selbstverständlicher Begriff geworden. Doch nur wenige kennen die Geschichte der Stiftung.

Im Jahr 1479 – am 10. Mai – verkauft Eglof Schermer zu Schermau dem „Heyligen Geist und zum anfanck eines spitals ze Dingolfing“ der Stadt Dingolfing sein „Haus, Hofstatt, Staldel, Weiher und Gärtl, gelegen zu Dingolfing hinter der Pfarrkirche zwischen Marthan Tumbshyren und Hannsen Pader, ferner drei Tagwerk Wiesmahd, gelegen in Richtung auf Frauenbiburg beim Kreuz, genannt die „Spieglwis““ (Urkunde Stadtarchiv Dingolfing).

Der in der Urkunde nicht erwähnte Kaufpreis wurde aus einem von der Stadt verwalteten, beim Kauf also bereits vorhandenen Fond bezahlt. Dieser in der Rechtsform einer Stiftung geführte Fond unter dem Titel des Hl. Geistes existierte also bereits vor dem Kauf. Wann diese Stiftung errichtet wurde, kann nicht genauer datiert werden, wird jedoch um 1475 vermutet. Fest steht allerdings, dass diese Stiftung von Anfang an durch den Stadtrat von Dingolfing verwaltet worden ist. Bereits am 12. Mai 1479 übergibt Eglof Schermer zu Schermau dem „Heiligen Geist und Spital zu Dingolfing“ sein „Holz und Holzwach, gelegen in Richtung auf Frauenbiburg, genannt das Patzhart“. Er stellt diese Überlassung unter die Bedingung, dass das Spital tatsächlich errichtet. Wird. Es war wohl eine schwere Geburt, denn noch im Jahr 1514 ist in einer Urkunde, nach der Hanns Thumbßhiern, Bürger zu Dingolfing, und Walburg dem Heiligen Geist und „anfencklichen spital“ die Rede. 1516 ist dann aber der erste Einkauf einer Person in das Spital nachweisbar. Durch weitere Stiftungen und Zukäufe entwickelte sich die Spitalstiftung auch wirtschaftlich prächtig, was bis zum ersten Viertel des 16. Jahrhunderts dazu führte, dass das Spital bankähnliche Geschäfte, wie zum Beispiel das „Verleihen von Geld auf Zinsen“ tätigte. Der Wohlstand des Spitals – auch Reiches Spital genannt – ist weitgehend darauf zurückzuführen, dass man sich in das Spital „einkaufen“ musste. Die Größe und Umfang des für den Einkauf notwendigen Gutes wechselten jeweils. Jedenfalls wurden neben Geld auch immer festgehalten, dass nach dem Tod des Pfründners seine gesamte noch vorhandene Habe dem Spital zufallen sollte.

Neben der Oberen Spitalstiftung oder dem Reichen Spital wird in den Urkunden seit 1525 auch von einem Unteren Spital oder dem Armen Spital gesprochen. Darin wurden arme Bürgersleut kostenlos aufgenommen. Zumindest am Anfang wurde dieses Spital von den Überschüssen der Oberen Spitalstiftung finanziert.

Erst im Jahr 1912 wurden die Gebäude des Unteren Spitals zugunsten einer Erweiterung der Oberen Spitalstiftung abgebrochen. 1964 und 1984/85 folgten weitere Vergrößerungen, bis nun in den Jahren 1996 bis 2000 die Gebäude entweder vollständig saniert oder zum Teil neu errichtet worden sind.

Die Angebote der Oberen Spitalstiftung im eigentlichen Altenheim wurden ergänzt um neue Einrichtungen der Altenhilfe wie Altenservicezentrum, Tagespflege oder altengerechtes Wohnen, die von der Stadt Dingolfing geschaffen wurden.

 

Der kurze geschichtliche Abriss wurde einem Beitrag von Dr. Fritz Markmiller im „Storchenturm“, Heft Nr. 19, entnommen und mit freundlicher Genehmigung des Autors abgedruckt.